
Just remember, that Death is not the End!
Vorhang auf für die...

Auch der quirligste Schorlibri flattert irgendwann über die Regenbogenbrücke...
...und findet dort gleich neue Freunde - Die "Skallz vunn de Palz"
(weil onnerschd roimd sisch's jo net, gell?!)
Dies ist die Geschichte von Schorlibri bei den Skallz, wie er da hinkam, was es mit den Skallz auf sich hat, und wie die Truppe die Pfalz rockt.
Erfahre, wie Bloodie zu ihrem Namen kam und was die Ewigkeit sonst noch bereithält!
Ein wichtiger Hinweis vorab:
Die Figuren und Ereignisse in dieser Story entspringen meiner Fantasie. Reale Schauplätze und historische Ereignisse wurden zugunsten der Dramaturgie und des Handlungsverlaufs ein wenig umgestaltet. Falls euch dennoch etwas bekannt vorkommt: Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sowie realen Vorfällen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.
Und nun: Schnappt euch ein Dubbeglas, und rein ins skurrile Vergnügen!
Ich wünsche euch beim Lesen jede Menge Lach- und Schmunzelmomente!
Inhaltsverzeichnis
Episode 1 - Wie alles begann - Schorlibri findet neue Freunde
Das traurige Ende eines Schorlibris
Genau wie ihre Verwandten, die Kolibris, sind Schorlibris für ein Leben in Gefangenschaft nicht gemacht. Trotzdem dachte einmal ein ganz besonders findiger Optimist: „Wenn ich ihn nur oft genug durch's Haus schwirren lasse und ihm eine ausreichend große Voliere baue, dann wird er sicher glücklich bei mir werden!“ Eines hatte er vergessen: Er besaß keine Tupfenkelchorchidee, deren Nektar das Leibgericht eines Schorlibris ist, ohne den er nicht überlebensfähig ist. Also ging sein Plan leider mehr schlecht als recht auf, und das kleine Kerlchen verließ viel zu früh, und auf jeden Fall vor seiner Zeit, diese irdischen Gefilde.
Es war ein stürmischer Herbstabend, als in einem Pfälzer Wohnzimmer ein kleines, buntes Vögelchen für immer seine Augen schloss. Es war allerdings kein gewöhnliches Vögelchen, und schon gar kein gemeiner Wellensittich, sondern ein echtes Pfälzer Unikat: Ein Schorlibri. Da er zu Lebzeiten keinen Nektrar aus Tupfenkelchorchideen naschen konnte, hatte er mit seinem langen Schnäbelchen am liebsten die Reste aus den Dubbegläsern seines Besitzers stibitzt, und er konnte fehlerfrei „Schorrrllleee!“ trillern.
Sowie sein kleines Herzchen aufhörte zu schlagen, flatterte seine Schorlibri-Seele über die Regenbogenbrücke. Doch statt im sterbenslangweiligen Haustier-Himmel zwischen Aquarium-Wattewölkchen und ungesalzenen Hirsekolben zu landen, zog es den kleinen Geist magisch zurück an den Ort seiner größten Sehnsucht: in die Pfalz, tief unter die Erde, wo der Wein in hölzernen Fässern im Schutz kühler Sandsteingewölbe reifte.
Als seine Federn im Jenseits vergingen (alle - bis auf zwei Schwanzfedern, die ihm hartnäckig am Steißbein-Knöchelchen haften blieben), erwachte er als funkelnagelneues, winziges Schorlibri-Skelett. Er schüttelte seine kleinen Knochenflügelchen, klapperte mit dem Schnabel, und stellte erstaunt fest: „Schooo-rrr-llleee?! Ei, isch honn jo immer noch Dorscht!“
Zwei Skelette im kalten Stein
Tief unter der Erde, in den vergessenen Katakomben einer alten pfälzischen Burgruine, saßen zwei Skelette: Skally und Bonny. Sie waren die allerersten Skallz. Sie hatten noch keine Ahnung, wie man im Jenseits Spaß haben könnte. Sie saßen im Dunkeln, glotzten die Wände an, langweilten sich zu Tode (obwohl sie ja eigentlich schon tot waren) und fürchteten sich vor der Tristesse der Ewigkeit.
Skally war schon zu Lebzeiten ein rechter Tollpatsch gewesen, und der Tod hatte daran nichts geändert. Kaum ein Tag verging, an dem er nicht Teile seines eigenen Skeletts einbüßte, die er anschließend seufzend aus dem Staub zusammenklaubte. Bonny war fortwährend mürrisch, weil sie im dunklen Keller niemanden hatte, der ihre Schönheit bewunderte. Sie weinte furztrockene Knochentränen, weil sie dachte, sie müsste die Ewigkeit in dieser einsamen, düsteren Grabesstille verbringen.
Das Schlimmste jedoch war dieser quälende Phantom-Durst. Sie rochen Wein durch die Kellerwände, wussten aber nicht, wie sie daran kommen konnten.
Eine schaurig-rührende Begegnung
Auf einmal raschelte ein schüchternes, knöchernes Flattern durch die Gruft. Klacker-klacker-klapper-klapp!
Skally schreckte auf, und Bonny hielt den Atem an - den sie ohnehin nicht mehr hatte. Aus einem Riss im Sandstein flatterte ein kleines Knochen-Vögelchen mit zwei bunten Schwanzfedern und landete mit einem sachten Klick direkt auf Skallys haarlosem Schädel.
„Was issen des färre gruselisches Ding do uff doim Kopp?“, hauchte Bonny entgeistert. Der kleine Knochen-Vogel funkelte Bonny aus leeren Augenhöhlen an, legte das winzige Köpfchen schief und stieß ein markerschütterndes, schrilles „SCHORRR-LIEEE-BRRRIEEE!“ aus. Skally hielt dem kleinen Eindringling seinen Zeigefinger hin, Schorlibri hüpfte darauf, und Skally fing an zu lachen – ein dröhnendes, befreites Lachen, das die Spinnweben von den Wänden riss. „Bonny, gugge mol! Des iss iwwerhaupt net grus'lisch. Des iss'en Schorlibri! En Knoche-Schorlibri! Dä iss genau wie mir!“
Der Schorlibri merkte sofort, dass diese beiden traurigen Gerippe Liebe, Fürsorge und ganz viel Unterstützung brauchten. Er flatterte von Skallys Finger auf Bonnys Schulter und rieb seinen kleinen Schnabel zärtlich an ihrem Schlüsselbein. Für Bonny war das der berührendste Moment ihrer bisherigen Ewigkeit. Sie vergaß ihre Eitelkeit, nahm den kleinen Vogel vorsichtig in ihre knöchrige Hand und flüsterte: „Du bleibschd ab jetzt bei uns, gell, du klääner Kerl! Mir basse ab jetzt uff disch uff!“
Doch Schorlibri war nicht nur zum Kuscheln gekommen. Er flog zur Kellertür, deutete mit dem Schnabel auf's Schlüsselloch und ratterte wild mit seinen Knochen-Flügeln. Er flatterte voraus, fand die geheimen Gänge zu den Weinfässern und zeigte den beiden Skallz, wie man Freiheit genießt. Er konnte Wein auf hundert Kilometer Entfernung aufspüren und wurde ab diesem Tag ihr Kompass, Schutzengel und bester Freund.
Als die drei in dieser ersten Nacht gemeinsam aus einem vergessenen Fass „tranken“ und Schorlibri glücklich auf Skallys Schulter einschlief, wussten sie: Sie würden nie wieder einsam, traurig und allein sein. Ihr neuer Name „Skallz vunn de Palz“, den sie sich in ihrer Weinseligkeit selber verpassten, weil er so schön eingängig von der (gar nicht mehr vorhandenen) Zunge rollte, war geboren, und der kleine Vogel hatte den beiden das „Leben nach dem Tod“ erst richtig beigebracht.

Episode 2 - Vier Skallz finden sich - Das knöcherne Kleeblatt
Streit im Wein-Keller - Konfrontation im Dunkeln
Im Spätherbst, kurz nach der Gründung unseres Trios, hatten sich Skally, Bonny und Schorlibri in den tiefsten, unbewachten Keller eines berühmten Pfälzer Weinguts geschlichen, um jahrhundertealte Eichenfässer voll mit feinstem Riesling zu entern. Doch als Skally sich gerade über das erste Fass hermachen wollte, ertönte aus dem Schatten dahinter ein tiefes, bedrohliches Knurren, das klang, wie tausendjahrealtes Knochenknirschen.
„Haldemol! Finger weg vunn unserm Stoff, ihr blasse Oidringlinge!“, knarzte eine Stimme. Aus der Dunkelheit traten zwei Skelette: Toddy, der verbissen ein Halb-Liter-Dubbeglas wie eine Waffe vor sich her schwenkte, und Bloodie, die im fahlen Licht unheimlich dunkelrot phosphoreszierte. „Eiern Stoff?!“, zischte Bonny streitlustig Richtung Bloodie und polierte sich empört das Kinn. „Mir war'n zuerschd do, du usensibler Knochehaufe!“
Revierkampf
Es kam, wie es kommen musste: Ein wilder Skelett-Klamauk entbrannte. Toddy versuchte, Skally das Dubbeglas über den Schädel zu ziehen, doch im Eifer des Gefechts traf er nur die Schulter – woraufhin Skally einfach der komplette linke Arm abflog, durch die Luft segelte und Toddy eine schallende Ohrfeige verpasste! Bloodie leuchtete wütend auf und versuchte Bonny in die Ecke zu drängen. Es war ein einziges Klappern, Scheppern und Knirschen.
Schorlibri hielt das Chaos nicht mehr aus. Er schoss hoch in die Luft, ratterte mit seinen Knochenflügeln laut wie eine defekte Weinpresse und stürzte sich im Sturzflug mitten zwischen die Streithähne.
„SCHORRR-LEEE! SCHORLE-SCHORLE-SCHORLE!“, krächzte das winzige Vogelskelett so laut und energisch, dass alle vier Skelette mitten in der Bewegung erstarrten. Schorlibri landete zielsicher auf Toddys Daumen, schaute ihn mit schräggelegtem Schädel an und stupste seinen kleinen Schnabel gegen Toddys Nasenhöhle.
Toddy schmolz sofort dahin. Wer könnte diesem winzigen, niedlichen Wesen widerstehen? „Alla guud, Klääner...“, murmelte Toddy sichtlich gerührt. „Fä' disch mache mä' Waffeschdtillstond!“
Zusammen unschlagbar
Als sie sich rieslingtrinkend im Kreis zusammensetzten und zu reden begannen - „Horsch mol, Skally, dir fählt jo e Ripp! Do laaft de gude Woi grad widder dursch de Rumpf uff de Boode!“ „Egal, Toddy! Hauptsach', de Gschmack war korz im Schädel!“ (Gelächter) - stellten sie fest, dass sie zu viert - plus Vogel - eine absolute Supertruppe wären. Denn jedes Skelett brachte eine Eigenschaft mit, die den Weinklau von nun an revolutionieren würde:
Toddys Orientierungs- und Spürsinn: Er hatte den ultimativen Riecher für geheime Kellereingänge und Wachen. Mit seinem ewigen Dubbeglas unterm Arm wäre er der perfekte Anführer für jeden Beutezug.
Bloodies Illuminationstalent: Durch ihr rotes Spätburgunder-Leuchten bräuchten sie in finsteren Kellern keine Kerzen oder Taschenlampen. Darüber hinaus wäre sie das perfekte, unheimliche Ablenkungsmanöver für allzu neugierige Winzer.
Bonnys Maniertheit und ihr Hang zur Theatralik: Mit ihrer Eleganz und koketten Eitelkeit könnte sie im Notfall jeden Nachtwächter in den Wahnsinn treiben, während die anderen die Keller plünderten.
Skallys Spezialfähigkeit: Dass er ständig auseinanderfiel, war plötzlich genial! Er könnte seine knöcherne Hand durch winzige Schlitze stecken, um von innen die Kellertüren zu entriegeln.
Und der Schorlibri? Seine Aufgewecktheit und Gewitztheit war eine wichtige Trumpfkarte, das Ass im metaphorischen Ärmel. Er war klein genug, um unbemerkt durch jeden Spalt zu schlüpfen. Wenn Gefahr drohte, würde er aufgeregte Kreise fliegen und die Truppe mit einem schrillen, gezielten „Schor-li-bri!“ warnen.
Das erste gemeinsame Prost
Toddy tunkte seinen knöchernen Finger in den Riesling und ließ einen Tropfen auf Schorlibris Schnabel fallen, der glücklich mit den Flügelchen klapperte, dann hob er sein Glas: „Uff unsern Trupp! Ab heit konn uns kään Winzer mehr was wolle!“ Und so wurden aus Rivalen beste Freunde für die Ewigkeit als...
...das knöcherne Kleeblatt und ihr Schorlibri
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Toddy: Der inoffizielle Chef, immer ein leeres Dubbeglas unter den Arm geklemmt. Er leidet vermutlich am meisten unter „Phantom-Dorscht-Schmäzze" und treibt die Truppe an.
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Bonny: Die Eitle in der Runde, poliert ihre Knochen regelmäßig mit Traubenkernöl, damit sie im Mondschein schön weiß glänzen, und beschwert sich ständig über das laute Klappern der anderen.
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Skally: Der Tollpatsch, dem beim schnellen Laufen ständig die Gelenke abknicken und Knochen verloren gehen – gerne auch mal der Unterkiefer, wenn er zu laut über Pfälzer Witze lacht
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Bloodie: Die „Gruselige“, hat sie doch als Einzige einen rötlichen Schimmer auf den Knochen – allerdings nicht von Blut, sondern weil sie im Jahr 1902 in ein Fass mit Spätburgunder geworfen wurde und darin über hundert Jahre lang lag. Die Geschichte hierzu soll zu einem anderen Zeitpunkt erzählt werden.
Mortie (der Winzer) sowie Knocki und Flexi (die Zwillinge) sollten erst später dazustoßen – aber in dieser Nacht, in einem Deidesheimer Keller, besiegelten die ersten vier Skallz ihren ewigen Bund.

Episode 3 - Skurrile Nächte - nicht nur im Wingert
Wie fünf Gerippe die Pfalz unsicher machen
Etwa zur Mitternachtsstunde, Nebel stieg aus den Reben auf, wanderte ein einsamer Tourist durch den Weinberg nach Hause, als er plötzlich ein unheimliches Geräusch hörte: Klapp-klapp-klapper-klepper-schluhuuck. Vier bleiche Skelette im Mondlicht tanzten um ein erbeutetes Weinfass. Ihre Augenhöhlen leuchteten schwach neongrün vor dem phosphoreszierenden Staub, den sie dabei aufwirbelten. Ein Knochen-Schorlibri saß auf Toddys Schulter und stieß ein heiseres, dennoch fröhliches „Schorrrlllliiieee!“ aus.
Der bedauernswerte Tourist erstarrte vor Schreck. Statt ihn anzugreifen, drehte sich Toddy um, schlug lautstark die Zähne aufeinander, knotterte: „Hau ab, du labbeduddelischer Flääschsack! Odder hosche noch en Schobbe im Rucksack?!“ Panisch ergriff der Tourist das Weite. Skally versuchte, ihm hinterherzurennen, stolperte über eine Rebe und zerfiel mit lautem Geschepper in seine Einzelteile. Bonny seufzte entnervt: „Skally, du Depp! Wer hebt dir jetzt die Knoche widder uff? Bloodie, mach du, ich hab mer grad de Zeh boliert!“
Wenn die Winzer oder die Gesetzeshüter anrückten, weil mal wieder jemand „wandelnde Knochen“ gemeldet hatte, war es an Schorlibri, die Szene zu entzerren:
Mit seinen knöchernen Flügeln erzeugte er das Geräusch einer ratternden Weinpresse und kreischte sein schrilles „Schooorrrllleee!“. Das verwirrte die Menschen so sehr, dass Toddy, Bonny und Bloodie mit dem eilig aufgesammelten Skally die Flucht in den nächstgelegenen Weinkeller gelingen konnte.
So, und ähnlich, haben sich seither ihre nächtlichen Streifzüge abgespielt, bis - ja bis...
… es ihnen mit den hysterischen Touris zu langweilig wurde, und sie zu neuen Ufern aufbrechen wollten. Wer hätte ahnen können, daß sie sich dazu gleich das größte Weinfest der Pfalz, den Bad Dürkheimer Wurstmarkt, aussuchen würden!?
Chaos im Riesenrad und in den Schubkarchständen
Es war soweit: Wurstmarkt in Bad Dürkheim und die Skallz mittendrin! Es dämmerte bereits, als Toddy und Bonny eine Gondel des Riesenrads kaperten. Da sie kein Geld hatten, zahlte Toddy den sichtlich schockierten Fahrkartenkontrolleur mit einem echten, historischen Silberknopf aus dem Jahre 1740, den er noch in seiner Hüftpfanne stecken hatte.
Die Fahrt begann, und Bonny lehnte sich weit aus der Gondel, um den Menschen unten zuzuwinken. Dabei verlor sie ihre frisch mit Traubenkernöl polierte Elle, was eigentlich Skallys Job gewesen wäre, aber der war schon in eine andere Richtung unterwegs... Das Knochenteil segelte elegant nach unten und landete zielsicher in der Schorle eines verdutzt dreinblickenden Gastes. Schorlibri pflückte, eine geschmeidige Kurve fliegend, die Elle wieder aus dem Glas um sie Bonny zurück zu bringen, und aus einem verdutzten Blick wurde ein ungläubig-dümmlicher.
Derweil stand Winzer Aribert unten am Einstieg, fuchtelte wild mit seiner Wein-Pipette und brüllte nach oben: „Ihr knöcherne Hallunge! Kummen runner! Ihr honn mir schunn widder de Schorlibri in moin Woistond g'schiggt!“. Mit der anderen Hand schwang er eine Fassdaube. Er zeterte weiter: „Eisch krie isch, ihr wärr'n schunn sieh!“
Währenddessen hatten Bloodie und Skally bereits die Trollschobbeggläser in den Schubkarchständen im Visier. Da Bloodie durch ihre jahrhundertlange Rotwein-Mumifizierung im Dunkeln rötlich leuchtete, hielten die betrunkenen Festgäste sie für eine hypermoderne LED-Halloween-Deko, ebenso wie Skally, der versuchte, eine Polonaise anzuführen. Beim heftigen Hüftschwung zu Pfälzer Liedgut flog jedoch seine linke Kniescheibe weg. Sie schlitterte über den hölzernen Tisch direkt in ein Paar Pfälzer Leberknödel. Skally hüpfte unbeeindruckt weiter und klapperte im Takt: „Mir sinn die Skallz, Skallz, Skallz vunn de Palz, uns steckt de Dorscht drunne dief im Hals... “
Bloodie nutzte die Ablenkung, schnappte sich zwei gefüllte Dubbegläser und kippte sie sich über den Schädel. Der Inhalt rauschte binnen Sekunden durch ihren Brustkorb und hinterließ eine Pfütze auf dem Boden. „Ahhh, hä'llisch! Unn sooo erfrischend!“, freute sie sich gutgelaunt. Als die beiden Schorlibri draußen vor den Ständen Alarm schlagen hörten, wussten sie, dass die Stunde des Rückzugs geschlagen hatte und beeilten sich, zu den anderen zu stoßen.
Infarkt am Riesenfass
Sie hatten allerdings nicht mit Aribert gerechnet, der die Truppe schließlich am berühmten Dürkheimer Riesenfass stellte und versuchte, in die Enge zu treiben. „Jetzt honn isch eisch! Ihr bezahlen mir jeden Trobbe, ihr wondelndi Friedhofs-Deggo!“, schnaubte der zornig und holte mit der Fassdaube aus.
Unser Knochen-Schorlibri startete den Gegenangriff. Er stürzte sich mit wildem „Schorrr-leee!“-Gekreisch aus der Luft auf Aribert. Er schnappte sich Ariberts geliebte Schiebermütze, flog damit Richtung Geisterbahn, und setzte sie der Plastik eines überdimensionalen Totenkopfs auf, in dessen Augenhöhlen rote Lampen glühten.
Aribert, völlig überreizt und von klappernden Gerippen umtanzt, warf resignierend die Arme in die Luft: „Isch gäbb's uff! Näggschdes Johr verkaaf isch nur noch Sprudel!“ und wollte zu seinem Stand zurücktrotten, um dort nach dem Rechten zu sehen...
… doch den sollte er gar nicht erreichen. Winzer Aribert musste mit ansehen, wie die Skallz ihm seine allerletzte Kiste '24er Riesling Spätlese stibitzten, und schon stand ihm Schaum vor'm Mund. Wieder rannte er wie der Teufel hinter den Skallz her, seine Wein-Pipette erhoben wie ein Florett.
„Ihr verfluchte Knochebäusch! Eisch jag isch bis ons Ende der...“ Weiter kam Aribert nicht. Ein heftiges Stechen in der Brust unterbrach sein Fluchen. Er griff sich an sein Winzer-Hemd, seine Augen wurden groß. Mit einem letzten, theatralischen Seufzer brach er unmittelbar neben dem Dürkheimer Riesenfass zusammen.
Die Skallz stoppten abrupt, und bestürzte Verlegenheit machte sich breit. Toddy guckte betreten in sein leeres Dubbeglas, und Skally kratzte sich am blanken Schädel: „Och nö, Aribert... des wollt mer jetzt awwer net. Wer macht'n jetzt denn gude Woi?“
Die Auferstehung als „Mortie“
Eine Winzerseele lässt sich in der Pfalz nicht lange bitten. Keine zwei Minuten später lösten sich die Knochen aus der fleischlichen Hülle, und ein blitzblankes, strahlendes Skelett richtete sich zähneknirschend aus den Kleidern auf, im lauten Stimmengewirr der angetüdelten Festbesucher unbeachtet. Einige bemerkten den leblosen Körper des Dahingeschiedenen, kicherten, manche zeigten sogar mit Kinn, Ellbogen oder Zeigefinger auf Aribert und raunten sich gegenseitig zu: „Na, do hot mol widder ääner zu viel Trollschobbe g'habt!“ und ehe jemand reagierte, hatten sich die Skallz schon davongestohlen.
Aribert schaute an sich herunter. Er klapperte ein bisschen mit den Fingern und bog seine Wirbelsäule durch. Kein Rheuma - keine Rückenschmerzen mehr vom schweren Traubenschleppen! Er fühlte sich leicht wie eine Feder. Mit dem breitesten Grinsen, das ein Schädel nur grinsen kann, sagte er: „Wiss'ner was!? Eigentlisch net schläscht. Mir dut de Buggel nimmi weh, unn isch schbier moi Athrose in de Knie ganimmie! Unn jetzt: Geb hä' de Schobbe!“
Auf dem haarlosen Schädel Ariberts – ab sofort nur noch „Mortie“ genannt – saß, eilends von Schorlibri zurückerobert, wie angegossen seine geliebte Winzer-Schiebermütze. Seine Rippen hatten durch jahrzehntelange Weinverkostung einen edlen, bernsteinfarbenen Schimmer – fast wie ein alter Pfälzer Riesling.
Weiter geht’s!
Aus den glorreichen Vier war nun ein unschlagbares Quintett geworden. Denn Mortie brachte etwas mit, was den Skallz bisher gefehlt hatte: Fachwissen! Als Insider wusste Mortie ganz genau, in welchen Kellern entlang der Deutschen Weinstraße die besten Tropfen lagerten und wo die Alarmanlagen der Winzer-Kollegen versagten.
Es entstand eine ganz neue Harmonie: Bonny teilte ihr Traubenkernöl mit ihm, damit Morties Schiebermütze auf Hochglanz blieb. Skally lieh ihm ab und zu eine Ersatz-Rippe, wenn Mortie beim Tanzen zu wild wurde.
Selbst Schorlibri jubelte; Er landete zielsicher auf Morties knöcherner Schulter, rieb seinen Schnabel an Morties Kieferknochen und stieß ein begeistertes „Schooorliii-brii-Schorlieee!“ aus.
Gemeinsam zogen sie nun von Weinfest zu Weinfest – von Deidesheim bis Landau. Sie brauchten keinen Schlaf mehr, keinen Arzt, und auch keine Steuern zahlen. Nur noch die Ewigkeit, ein Dubbeglas und der Geist der Pfalz.

Episode 4 - Weinklau de Luxe - Wie die Bucklisch verscheucht wurde
Das Erschrecken der „Bucklisch“
Mortie (ehemals Winzer Aribert) brannte darauf, sein neues Dasein zu feiern. Was läge da näher, als das eigene alte Weingut zu plündern? Seine Erben – die geizigen Verwandten, die er zu Lebzeit schon nicht leiden konnte – schliefen tief und fest.
Mortie kannte natürlich den geheimen Code für das elektronische Schloss des Premium-Weinkellers. Statt mühsam einzubrechen, tippte er einfach die Zahlen mit seinen knöchernen Fingern ein (Klick-klack-piep). Los ging's mit dem Weinklau deluxe! Bloodie und Toddy rollten ein großes Holzfass mit dem besten „2024er Riesling Eiswein“ aus dem Keller.
Auf das laute Poltern und Rumpeln im Hof schlugen die Hofhunde an, und Schorlibri startete sein Ablenkungsmanöver: er flog ans Schlafzimmerfenster der Erben, kratzte mit den winzigen Zehenknöchelchen an die Scheibe und imitierte perfekt das Geräusch einer defekten Weinabfüllanlage. Die Erben zogen sich vor Furcht die Bettdecke über den Kopf und dachten, es spukt – womit sie ja nicht ganz unrecht hatten!
Als die Skallz das Gut verließen, beruhigten sich auch die Hunde wieder, und Ruhe kehrte ein. Am nächsten Morgen hielten die Bewohner des Hauses die nächtliche Heimsuchung nur noch für einen schlechten Traum. Da Mortie den Weinkeller wieder fachgerecht verschlossen hatte, blieb auch der Diebstahl zunächst unentdeckt. Die Verwandtschaft ahnte nicht, dass Mortie noch nicht mit ihnen fertig war...
Der Coup auf Morties Weingut
Mortie wollte seine Verwandten nicht einfach nur erschrecken – er wollte sie ein für allemal in die Flucht schlagen - und das stilvoll. Am Folgeabend kehrten die Skallz auf Morties Weingut zurück und beobachteten durch die Fenster die „Bucklisch“. Im hell erleuchteten Wohnzimmer saßen Cousin Eugen, der schon die Hektar-Preise im Kopf zusammenrechnete, und Tante Elfriede, die bereits das Silberbesteck zählte. Auf dem Tisch stand billiger Discounter-Sekt – Ariberts guten Riesling wollten sie nicht mal für den Leichenschmaus opfern.
Draußen kroch dichter Nebel herauf. Plötzlich erlöschten alle Lampen im Haus. Nur das kalte Mondlicht fiel durch die Fensterscheiben, als plötzlich ein rhythmisches, hohles Geräusch durch die Wände hallte: Klapp-klapp-klapp-klapperdi-klapp. Es klang, als würde jemand direkt im Flur auf einer hölzernen Weinpresse spielen.
Mortie, der untote Theaterregisseur
Bonny schickte er ins Schlafzimmer. Tante Elfriede konnte, wie erwartet, ihre Gier nicht unterdrücken und schlich mit einer Kerze ins Schlafzimmer, um sich das Sparbuch und andere Wertsachen unter den Nagel zu reißen, bevor sie das Weite suchen wollte. Sie vermutete Kostbares in der Kommodenschublade. Doch als sie in den Frisier-Spiegel schaute, sah sie nicht ihr eigenes Gesicht im Kerzenschein, sondern Bonny, die gelassen dort saß, sich seelenruhig ihre Schlüsselbeine mit Traubenkernöl polierte und raunte: „Iww'rischenns moi Guudschdie: des Klääd, wo du vumm Aribert soiner verblisch'ne Fraa ohoschd, sponnt gonz schää um die Hüfde, des sieht net gut aus!“ Elfriede stieß einen spitzen Schrei aus, der die Fensterscheiben erzittern ließ.
Toddy und Bloodie sollten den Weinkeller verteidigen: Cousin Eugen rannte panisch mit einer Taschenlampe bewaffnet die Kellertreppe hinunter, um nachzusehen, ob die kostbaren Weine noch da waren. Unten angekommen, leuchtete ihm Bloodie mit ihrem rot-phosphoreszierenden Spätburgunder-Skelett entgegen. Und als ob das nicht gruselig genug wäre, blockierte Toddy den Ausgang, hielt Eugen sein leeres Dubbeglas entgegen und krächzte: „Eugen, aldes Haus! Du hosch mol widder vergess', es Glaspfond zu bezahle!“
Das fulminante Finale
Eugen und Elfriede rannten schreiend, der eine aus dem Keller, die andere aus dem Schlafzimmer, auf den Hof, um zum Auto zu fliehen. Dabei stolperten sie über Skallys wie achtlos verstreute Knochen. Zu allem Überfluß saß auf dem Dach des Wagens ein kleiner Knochenvogel mit zwei bunten Schwanzfedern am Hinterteil: Schorlibri! Er breitete seine knöchernen Flügel aus, ratterte, wie eine defekte Abfüllanlage im Akkord, und spie einen gezielten Schwall eiskalten Sprudels direkt auf Eugens Halbglatze. Danach stieß er ein markerschütterndes „SCHORRR-LEEE DES GRAUENS!“ aus.
Der Abzug der „Bucklisch“
Cousin und Tante sprangen völlig überstürzt in den Wagen, Eugen gab Gas, ließ den Motor aufheulen, streifte beim Passieren des alten Hoftors einen Pfeiler und baute beim Davonrasen vor lauter Panik fast noch einen Unfall mit einem entgegenkommenden Fahrzeug - Die Pfalz würde die zwei so schnell nicht wiedersehen!
Zurück blieben fünf Skallz im Hof und ein Schorlibri. Mortie schob seine heilige Winzer-Schiebermütze ein Stück gerader auf den Schädel, klopfte dem Knochen-Schorlibri sacht auf die winzige Schulter und mit den Worten: „Gut gemacht, Freunde!“ öffnete er mit einem Korkenzieher die erste Flasche Eiswein.
„So“, klapperte er zufrieden, „die wär'n mer los. Und jetzt, ihr Buwe un ihr Mädscher: Hoch die Schobbe, uff die Ewischkeit!“

Episode 5 - Das Fest der Fabelwesen auf der Limburg - Niemand soll behaupten, Skallz könnten ihre Feste nicht feiern!
Einladung und Einlass
Die Verwandtschaft war verjagt, die Keller geplündert und die Truppe hatte den besten Wein der Region im Gepäck. Das sollte gebührend gefeiert werden. Die Skallz wollten zum Weinfest laden, kein Dubbe sollte trocken bleiben. Als perfekte Location für die Party bot sich die geheimnisvolle Limburg bei Bad Dürkheim an – eine alte Klosterruine mitten im Wald, wo sie die Lebenden garantiert nicht stören würden.
Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch den Pfälzerwald. Der Knochen-Schorlibri flog als Bote von Baum zu Baum und stieß seinen weithin schallenden Ruf aus: „Schooo-rllliii-brii! Bringen Gläser mit, de Mortie spendiert de Eiswoi!“
Um Punkt Mitternacht füllte sich die düstere Klosterruine mit „Leben“. Die Türsteher, Toddy und Bloodie standen am verfallenen Klostertor. Wer rein wollte, musste dreimal fehlerfrei die Parole „Schorlibri on de Dubbeschobbeblumm“ rufen, klappern oder krächzen.
Aus den tiefsten Dickichten des Pfälzerwalds rückten als Gäste an - um hier nur einige zu nennen:
Die Elwedritsche – scheue Fabelwesen, halb Huhn, halb Ente, manche mit kleinen Hirschgeweihen, andere mit Elfenflügeln.
Die Weiße Frau von Burg Berwartstein sowie der Jäger aus Kurpfalz gaben sich als bleiche Gespenster die Ehre, der Jäger hatte sein Schießgewehr gegen einen Korkenzieher getauscht und summte gut gelaunt seine eigene Melodie vor sich hin.
Sogar ein paar Farnelfen stellten sich ein...
Als die Stimmung kochte
Inmitten des Innenhofes der Ruine, hatten die Skallz die geplünderten Holzfässer aufgebockt. Mortie stand stolz wie ein König am Auschank, die Winzer-Schiebermütze keck auf dem kahlen Schädel.
Die Elwedritsche waren völlig aus dem Häuschen wegen des süßen '24er Eisweins. Sie pickten mit ihren Schnäbeln wild nach den Tropfen, die Mortie an seinen knöchernen Fingern herablaufen ließ. Eine besonders kühne und freche Elwedritsche versuchte, sich in Skallys leerem Brustkorb einzunisten, weil es dort so gemütlich nach Barrique-Fass roch. Skallys Knochen hielten der Belastung allerdings nicht stand, und mit einem trockenen Knacken gaben seine Rippen nach.
Bonny hatte im Mondschein Konkurrenz bekommen: Ein paar zierliche Farn-Elflein wollten wissen, welches Traubenkernöl sie für diesen extremen Knochenglanz benutzte. Bonny gab bereitwillig Auskunft, während sie sich den Steiß mit einem Weinblatt polierte.
Bloodie, mit ihrem roten Spätburgunder-Leuchten, verbrüderte sich mit dem Jäger aus Kurpfalz. Zusammen mit Skally – der aufgrund des Elwedritsch-Vorfalls zur Sicherheit seine Knochen mit alten Rebstöcken geschient und die Gelenke mit Weinranken gesichert hatte – starteten sie den knöchernen Schunkel-Express, eine wilde Polonaise, durch das Langhaus der Ruine. „Klapper-di-klapp, de Schoppe muss nab!“, dröhnte es fröhllich durch die alten Mauern.
Schorlibris Highlight
Als die Stimmung am Brodeln war, flog Schorlibri auf den höchsten Punkt der Ruinenwand und stimmte die Rippenharfe an: Er breitete seine Knochenflügelchen aus und begann im Takt der Elwedritsche-Rufe mit den Flügelspitzen auf und ab über seine Rippen zu rattern. Aus seinem Schnabel sprühte er eine unerschöpfliche Fontäne perfekt gemischter Riesling-Schorle in die Luft und ließ so einen im Mondlicht funkelnden Schorle-Regen auf die Festgäste niederrieseln.
Die Elwedritsche fingen die Tropfen in wilden Sprüngen auf, die Skallz hielten jubelnd ihre Dubbegläser hoch, und Mortie klopfte sich so begeistert auf die knöcherne Hüfte, dass sein Oberschenkelknochen fast auskugelte. „Des“, rief Mortie mit einem glücklichen Skelett-Grinsen, „iss besser als jeder Worschdmaakt zu Lääbzeide!“
Erst als die ersten Sonnenstrahlen hinter den Gipfeln des Pfälzerwalds hervorlugten und die Elwedritsche müde zurück ins Unterholz schlüpften, räumten die Skallz die Ruine auf, um die täglichen Touristen nicht zu verunsichern. Zufrieden und mit leicht klapperndem Schädelweh zogen sie sich in die kühlen Keller von Morties Weingut zurück. Das Fest war ein voller Erfolg und die Skallz galten seither als die unangefochtenen Feierkönige der Pfälzer Unterwelt!

Episode 6 - Die Geschichte der Bloody Mary - wie sie garantiert keiner kennt
Halloween im Lichterschein
Es war die Nacht vom einunddreißigsten Oktober auf den ersten November - Halloween auf Morties Weingut. Die geizige Verwandtschaft war längst über alle Berge, und die Skallz machten es sich im alten Holzfass-Lager gemütlich. Statt Kürbissen stellten sie ausgehöhlte Spitzßkohl-Köpfe auf, in denen LED-Kerzen flackerten. Der Knochen-Schorlibri döste auf einer historischen Weinpresse, den Schnabel unter den knochigen Flügel gesteckt.
Toddy, Bonny, Skally und Mortie „nippten“ an ihren Dubbegläsern, während Bloodie – die im fahlen Licht wie immer dunkelrot phosphoreszierte – tief seufzte. Ihr Unterkiefer klapperte melancholisch.
„Mädels, Buwe“, krächzte Bloodie und rückte ihre Schädelfragmente zurecht. „Ihr frogen eisch doch bestimmt schunn long, wie's dezu kumme iss, dass isch so rot leuscht’! Jetzt isses endlisch mol Zeit fä' die 'Wohr G’schischt vunn de Bludisch Marie'...“
Das Drama von Landau (anno 1902)
„Im Lääwe“, begann Bloodie zu erzählen, während Mortie andächtig lauschte, „war isch die Marie vunn Landau. E eschdes Prachtmädel, bildschää, awwer – unn do bin isch ehrlisch – e ziemlisches Luder. Ich wollt’ u'bedingt den reischsde Winzersohn vunn de Gägend heirade: de brave Frieder.“
Die anderen Skelette rücken näher heran. Sogar in Schorlibris Augenhöhle glimmte ein aufmerksames Funkeln.
„De Frieder hot awwer en Zwillingsbruder g'habbt“, flüsterte Bloodie dramatisch. „De Honnes. De Honnes hot zwar kään Penning Geld gehatt, hot aber exakt genau so gut ausgsieh, wie de Frieder – nur daß er wilder war, en eschder Hallodri. Na ja, wie's Schicksal so spielt: Om Owend vunn unserer Hochzeit, die Trauung war vorbei unn des Fescht in vollem Gong, honn isch misch im Brautklääd in den dungle Woikeller g'schlisch, mit dämm Vorwond, dort noch schnell e Flasch Spätburgunder fä' die Hochzeitsnacht zu hole...“
„Unn do hodder g'schdonn“, hauchte Skally erwartungsvoll, wobei ihm vor Spannung der rechte Daumenknochen abfiel. „Gonz genau“, nickte Bloodie. „Do hodder im Dungle g'schdonn, de Honnes. Ich kännt jo jetzt sage, isch hett gedenkt, es wär moin frischgebaggener Ehemonn Frieder. Awwer isch honn genau gewisst, daß des de Honnes iss. Er nämmt misch in de Arm, mir kiss'n uns leidenschaftlisch... awwer bevor's zu mehr kumme iss, geht uff äämol's Lischd o. In de Deer steht de Frieder! Isch wollt ihn betrüge – in de eischen Hochzeitsnacht, mit soim eisch'ne Zwillingsbruder Honnes!“
Das blutige Ende im Spätburgunder-Fass
„Do iss demm Frieder die Hutschnur geriss“, erzählte Bloodie weiter, und ihr rotes Leuchten wurde noch intensiver. „Där hot vor Wut rot g'sieh, sisch e Fassdaub' g'schnappt, unn im Affekt so long uff misch oigedrosche, bis... na ja, bis vunn mir unn moim weiße Klääd nix weiter iwwerisch war als e völlisch zerfetzder, blutroder Brautschleier.“
„Ach du liewer Gott“, hauchte Bonny und vergaß glatt, sich die Rippen zu polieren. „Unn de Honnes?“„Der feige Kärl iss direkt dursch's Kellerfenschder abgehau, wie're mitkried hot, was mir grad widderfahrt!“, schimpfte Bloodie klappernd. „De Frieder hat moi... Üwwerrescht'... mitsamt denne bludische Fetze inneme große Spätburgunder-Fass versteggelt, damit's kääner märkt! Donn hodder jedem verzeehlt, isch wär mit soim Zwillingsbruder durschgebrennt! Üwwer die Johre iss moi Flääsch komplett vumm Rotwoi zerfresse worre. Awwer moi Knoche hänn sich so dief mit dämm Spätburgunder vollg'saugt, dass'e die rot Farb nie widder verlore hänn.“
Vom Grusel-Schock zum Schorle-Glück
„Und wie bisch du donn zu de Skallz kumme?“, fragte Mortie neugierig. „Na, wie des Woigut irgendwonn pleidegonge unn "moi" Fass geleert worre iss, bin isch als Skelett wieder uffgewacht“, grinste Bloodie ihr breites, rot-leuchtendes Skelett-Grinsen. „Ofongs dacht isch, isch misst jetzt wie die onner ‚Bloody Mary‘ Mensche in Spiggel verschregge. Awwer gonz ehrlisch? Des iss doch dootlongweilisch! Im Ami-Lond rufe die Leit däre ehrn Nome dreimol im Bad, um sisch zu grusle, ei, wie bleed iss'n dess? Do honn isch mir gedenkt: Bleibschd liewer in de Palz, do gäbbt’s wännigschdens en ordendlische Woi!“
Toddy sprang auf, schlug die knöchernen Hacken zusammen, dass es nur so schepperte, und hob sein Dubbeglas: „Uff unser Bludisch' Marie! Es beschde Luder, des die Deitsch Woinstroß' je g'sieh hot!“
Schorlibri wachte endgültig auf, flatterte hoch und stieß ein begeistertes „Bloodiiie-Schorrrliiie-Marriiie!“ aus, während die vier Skelette laut klappernd mit spritzigem Rieslingschorle anstießen.

Episode 7 - Die Rückkehr „vunn de Bludisch' Marie“ – und was dann geschah
Zurück in Landau
Es war eine neblige Novembernacht. Die Skallz – Toddy, Bonny, Skally, Mortie und Bloodie, sowie ihr Knochen-Schorlibri – reisten inkognito auf dem Anhänger eines alten Traktors nach Landau. Ihr Ziel: Das historische Weingut der „Gebrüder Winzer“, denn dies war der Ort, an dem Bloodie im Jahr 1902 ihr blutiges Ende gefunden hatte. Ein Investor hatte ein neues Weingut aufgebaut, aber die alten Keller waren erhalten geblieben.
Heute wurde das Gut von den Urenkeln entfernter Verwandter der Zwillinge geführt: Fritzi und Hansi – zwei arrogante Jungwinzer, die traditionellen Spätburgunder hassten und das Gut in eine seelenlose Event-Location für Schickimicki-Touris verwandeln wollten. „Do driwwe iss de alde Gewölbekeller“, flüsterte Bloodie, und ihr weingetränktes Skelett leuchtete vor Aufregung tiefrot.
Die Geister der Zwillinge
Als die Truppe lautlos in den tiefen Keller hinabstieg, spürten sie sofort eine übersinnliche Energie. Aus zwei alten, modrigen Weinfässern stieg blasser, bläulicher Dunst auf. Zwei durchscheinende Geister manifestierten sich und stritten ihren ewigen Streit: Es waren Frieder (der wütende Bräutigam) und Hannes (der feige Verführer)!
Die beiden Geister schwebten in der Luft und zankten sich – wie sie es seit mehr als 120 Jahren jede Nacht taten. „Du hoscht mir die Braut fortgenumme, du elender Lump!“, jammerte Frieders Geist. „Unn du hoscht se zu Brei g'schlage, du Mörder!“, heulte Hannes’ Geist zurück. Plötzlich trat Bloodie aus dem Schatten. Ihr roter Schädel grinste die beiden Geister an. Sie ließ zornig Ihre Knochen klappern: „Hallen die Gosch, ihr zwää Hohlkepp! Isch bin widder do!“
Die Geister-Zwillinge erstarrten vor Schreck. Doch Bloodie winkte geringschätzig ab. Sie stellte zwei Dubbegläser auf ein Fass. „Ihr honn moi Lääwe ruiniert, awwer im Jäänseits will isch net nochtragend soi! Eier Jungwinzer do owwe schidden grad Limo unn Schlimmeres in de gude Spätburgunder, um ‚Trend-Cocktails‘ zu mixe. Helfen'ä mä', die Bud uffzurome, oder wolle'nä' noch ewisch weiterbogge?“
Frieder und Hannes schauten sich an, nickten grimmig und ballten ihre Geisterfäuste. Die ultimative Allianz aus Geistern und Skeletten stand!
Der Rache-Engel im Event-Saal
Oben im modernisierten Gutssaal lief eine Hipster-Weinverkostung. Fritzi und Hansi standen hinter der Bar und prahlten mit ihren überteuerten Preisen. Jetzt kam die Stunde der Rache: Frieder und Hannes jagten als eisige Geister-Windböen durch den Saal. Sie ließen die Designer-Lampen von der Decke stürzen und brachten alle Weinflaschen in den Regalen zum Vibrieren. Ein wildes Scheppern und Klirren erfüllte den Raum, als Gläser in den Regalen bedrohlich aneinanderschlugen.
Das Licht ging aus. Nur das Schwarzlicht der Event-Anlage blieb an. Das war Bonnys Moment! Sie stolzierte wie ein Topmodel auf dem Catwalk durch den Saal, ließ ihre traubenkernöl-polierten Knochen im UV-Licht neongrün leuchten und klapperte den schockierten Gästen zu: „Eier Frisure sinn jo grauenhaft! Honn ehr donn kää Schbigg'l dehääm?!“
Wie ein roter Albtraum schwebte Bloodie, getragen von der übersinnlichen Energie der beiden Geister, hinter die Bar. Sie packte Fritzi am Kragen, schaute ihm mit ihren neongrünen Augenhöhlen tief in die Seele und raunte mit hohler Grabes-Stimme: „Isch bin die Bludisch Marie! Wenn ihr noch ä änzigschdes Mol Spätburgunder mit Limonad poschen, donn hol isch eisch im Schloof!“
Schreiend flohen die Gäste aus dem Saal. Fritzi und Hansi krochen wimmernd unter die Bartheke. Da stürzte sich der Knochen-Schorlibri von der Decke herab. Mit seinem langen Schnabel spritzte er den beiden Brüdern so lange puren, sauren Essig-Wein in die Gesichter, bis sie schworen, das Weingut sofort zu verlassen und sich nie wieder an Pfälzer Weinen zu vergreifen.
Versöhnung im Keller
Der Saal war wie leergefegt, Fritzi und Hansi waren für den Rest ihres Lebens traumatisiert und das Weingut war gerettet. Unten im alten Gewölbekeller saßen die Skallz im Kreis. Die Geister von Frieder und Hannes hatten sich dazugesetzt. Sie konnten zwar ebenfalls keinen Wein mehr trinken, genossen aber den Dunst des 1902er Spätburgunders, den Mortie fachmännisch kredenzte.
Bloodie saß zwischen ihren Ex-Männern, klopfte beiden auf die durchscheinenden Schultern und lachte ihr markerschütterndes Skelett-Lachen. „Wissen'är was, ehr Buwe?“, klapperte sie fröhlich. „Als Geischder unn Skelette simmer eigentlich viel verträglischer als domols im Lääwe. Hoch die Schobbe, uff die Bludisch Marie, uff ihr zwää Männer, unn uff die Skallz vunn de Palz!“

Episode 8 - Die Last der Schuld
Warum sie Geister waren
Nach dem blutigen Drama von 1902 floh Hannes von Scham und Angst getrieben aus der Pfalz, während Frieder vor Kummer und Reue über seine Tat verging. Ihre gebrochenen Herzen und ein tiefes Schuldbewußtsein rafften sie innerhalb kurzer Zeit dahin.
Doch ein Fluch lastete auf ihnen: Weil ihre Seelen so schwer von Schuld beladen waren, weigerte sich ihr Geist, im Grab zu verbleiben – die Leiber zerfielen, aber eine immaterielle Präsenz blieb rastlos an den Ort des Verbrechens gebunden. Sie konnten nicht richtig sterben, geschweige denn zu „Skallz“ werden.
Zur Strafe sollten sie über 120 Jahre lang als körperlose, blasse Nebelgestalten im finsteren Keller ihr „Dasein“ fristen, gefangen in einem endlosen Kreislauf aus gegenseitigen Schuldzuweisungen. Ohne Gebeine konnten sie nicht klappern, ohne Lippen konnten sie nie wieder einen Schluck Pfälzer Wein genießen – wahrhaftig die Höchststrafe für einen Winzer.
Erlösung und Verwandlung
Erst durch den Rache-Coup mit Bloodie und den Skallz hatten die Zwillinge ihre Schuld beglichen. Sie haben das Weingut gerettet, Bloodie um Verzeihung gebeten, und sie hat ihnen mit lautem Knochen-Klappern die Absolution erteilt.
Als Bloodie im Keller sagte: „Als Geischder unn Skelette simmer eigentlich viel verträglischer als domols im Lääwe...!“ passierte das Wunder der Erlösung. Die Last fiel von den Zwillingen ab. Mortie (der ehemalige Winzer Aribert) erkannte die Gunst der Stunde. Er füllte zwei Dubbegläser mit Spätburgunder, und mit einer weihevollen Gebärde, die wirkte, wie ein magisches Ritual, goß er den Wein direkt in den bläulichen Geisternebel der Brüder.
Die Metamorphose begann: der Geisternebel begann zu zischen und zu funkeln. Der Sandsteinboden des Kellers brach auf. Mit einem lauten Wusch-Klack schossen die zerfallenen Knochenteile der Brüder daraus empor und setzten sich im Wein-Nebel in Sekundenschnelle wie ein Puzzle zusammen! Aus den blassen Geistern wurden im Nu zwei waschechte, handfeste Skelette. Mortie grinste, reichte den Neulingen zwei bis zum Rand gefüllte Dubbegläser und Schorlibri krächzte ein begeistertes: „Proscht, ihr Knochegstelle! Schorrrllliiieee!“
Neue Namen für die Zwillinge
Bloodie schaute die beiden prüfend an. Sie rümpfte (rein hypothetisch, da sie ja keine Nase mehr hatte) die Riechgegend. „Ei joo, Frieder, du stingschd jo wie drei Woche Rägewedder uff'm Friedhof!“, klapperte sie und lachte. Dann drehte sie sich zu Hannes um, dessen Kieferknochen laut vor Gelenk-Gammel quietschen: „Und du erscht emol, mein lieber Hallodri! Jetzt bassen ihr zwää Schandbäusch erschd rischdisch zu uns!“
Da sie nun vollwertige Mitglieder der Truppe waren, brauchten sie natürlich neue Namen, die zu ihrer Geschichte passten:
Aus Frieder (dem wütenden Bräutigam, der seine Braut zu Brei geschlagen hatte) wurde: „Knocki“. Er hatte eine kleine, dauerhafte Macke im Stirnbein – genau dort, wo er sich damals beim wilden Zuschlagen die hölzerne Fassdaube an den Kopf gehauen und sich damit beinahe selbst ausgeknockt hatte. Er war begeistert von seinem neuen Namen.
Aus Hannes (dem feigen Verführer, der sich zum Fenster hinausgewunden hatte wie ein Aal) wurde: „Flexi“. Seine Beinknochen waren lang und kräftig, im Leben konnte er rennen, als sei der Teufel hinter seiner armen Seele her, was ihm auf seiner Flucht zugute kam. Damals floh er durch das enge Kellerfenster, und heute konnte er seine Knochen wie ein Schlangenmensch zusammenfalten.
Taufe im Weinkeller und das erste Anstoßen als Skallz
Knocki und Flexi betrachteten immer noch staunend ihre neuen Hände. Knocki ballte die Faust und es macht Klack. Flexi schüttelte den Schädel und es machte Klapper. Sie griffen sich die Dubbegläser, schauten Bloodie an und „tranken“ ihren ersten Schluck Wein seit über einhundert Jahren. Der Spätburgunder rauschte durch ihre neuen Rippen.
Der treue Knochen-Schorlibri flog eine Ehrenrunde durch den Keller, landete genau zwischen den beiden frischgebackenen Skeletten und krächzte begeistert: „Willkommen bei de Skallz, ihr Halunge! Schooor-leee!“ Die Truppe war auf sagenhafte acht Mitglieder angewachsen: Skally, Bonny, Toddy, Bloodie, Mortie, Knocki, Flexi und Schorli(bri)!

Episode 9 - Tandem-Training - wie die Skallz das Radfahren lernten
Setup des Irrsinns
Auf dem Hof von Morties Weingut herrschte emsiges Treiben. Die Skallz hatten im Schuppen zwei alte, verrostete Tandem-Fahrräder aus den 1970er Jahren gefunden. Da sie nun zu siebt waren, wurde kurzerhand gesägt, geschweißt, geschraubt: Skally verband die Räder mit alten Zaunlatten zu zwei dreisitzigen „Knochen-Schleudern“.
Aber wie brachte man Skelette, die seit Jahrzehnten oder sogar seit mehr als einem Jahrhundert nicht mehr balancieren mussten, zum schnellen Treten? Mortie hatte die zündende Idee:
Schorlibri hatte Verstärkung bekommen – einen zweiten, etwas kleineren, aber genauso durstigen Knochen-Schorlibri. Die beiden Vögelchen sollten gemeinsam eine lange, biegsame Rute in den Schnäbeln halten. An einer daran festgebundenen Schnur sollte das ultimative Ziel baumeln: Ein bis zum Rand gefülltes, überschwappendes Dubbeglas mit herrlich eiskalter Riesling-Schorle.
Die Aufstellung auf den Tandems
Die Truppe verteilte sich strategisch auf den Vehikeln, um das Gewicht (und den Zerfallsgrad) optimal auszugleichen:
Tandem 1, genannt „Santa-Fee-Express“:
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Vorne, am Lenker: Toddy (weil er am verbissensten gucken konnte).
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In der Mitte: Bonny (die sich permament beschwerte, der Fahrtwind würde ihre frisch polierten Knochen matt machen).
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Hinten, auf dem Gepäckträger: Skally (konnte treten, wie ein Verrückter, verlor aber alle paar Kilometer den einen oder anderen Fußknochen).
Tandem 2, genannt „Star-Dust-Mobil“:
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Vorne, am Lenker: Mortie (der die Wege durch die Weinberge am besten kannte).
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Mitte: Knocki (fluchte ununterbrochen, weil ihm der Fahrtwind den Gruft-Schimmel vom Schädel pustete).
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Hinten, auf dem Gepäckträger: Flexi (dessen Gelenke im Takt der Kette quietschten: Quietsch-Klack-Quietsch-Klack).
Bloodie erhielt eine Spezial-Rolle und sollte als rötlich leuchtender Schutzengel, getragen von den letzten Resten der magischen Geister-Energie der Zwillinge, über den Rädern her fliegen und die Truppe anfeuern.
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Das Rennen durch die Reben
Die beiden Schorlibris gingen in den Schwirrflug über. Sie flatterten heftig mit ihren Knochenflügeln, die Rute bog sich, und das Dubbeglas tanzte genau zwei Meter vor Toddys und Morties Nasenhöhlen in der Luft.
Das Startkommando „Auf die Plätze - Schooo-rrrllliii-brii!“ stießen die Vögel im Duett zwischen zusammengepressten Schnäbeln hervor. Ein Schwall Schorle schwappte über den Glasrand und spritzte Toddy mitten ins Gesicht.
Von Phantom-Durst-Schmerz getrieben brüllte Toddy: „Do isser! Fass'nen! Träden noi, ihr faule Knochensäck!“ Die Pedale flogen im Akkord, als die Skallz auf ihren Drahteseln das Schorleglas verfolgten. Die beiden Tandems schossen mit sechzig Sachen den Haardtrand hinunter. Die Winzer in den Weinbergen trauten ihren Augen nicht: Zwei seltsame Vehikel, gelenkt von knochigen Gestalten, rauschten an ihnen vorbei, gefolgt von einer Staubwolke, die nach Friedhofserde roch, und dem Geräusch von laut klappernden Zähnen.
Egal wie hart Knocki in die Pedale trat, egal wie weit sich Flexi nach vorne bog – die Schorlibris flatterten immer exakt im gleichen Abstand voraus. Immer wieder korrigierten sie die Höhe perfekt, und flogen sie eine Kurve an, zogen die kleinen Vögel das Glas elegant nach links oder rechts, und die Tandems legten sich synchron in die Schräge.
Das verdiente Ziel
Nach einem dreistündigen Höchstleistungs-Training durch die Vorderpfalz landeten sie völlig ausgepowert, aber glücklich in der Limburg-Ruine. Die Schorlibris senkten die Rebe. Toddy und Mortie fingen das Dubbeglas im Sturzflug auf. Zwar war durch das heftige Schaukeln die Hälfte des Inhalts auf der Strecke geblieben, aber der verbliebene Schluck schmeckte nach diesem schweißfreien (da fleischlosen) Training besser denn je.
Flexi glitt vom Sattel, während Bonny ihm mit etwas Traubenkernöl die quietschenden Gelenke schmierte. Mortie klopfte mit einem Finger den Schorlibris auf die winzigen Schädelchen und entschied übermütig: „Här, die Tour de France konn oipagge! Näggschdes Johr holen mir uns des Triggoo – odder minn'schens es näggschde Woi-Fass!“

Episode 10 - Tour de Palz - Knochensalat auf der Weinstraße
Die perfekte Tarnung
Der große Rad-Erlebnistag war gekommen. Hunderte Radler strampelten gemütlich an den Weinbergen entlang, und mittendrin unsere sieben Skallz auf ihren zusammengeschweißten Tandems, mit Bloodie als schwebendem Engel oben drüber. Da heute ohnehin viele Gruppen in den verrücktesten Verkleidungen unterwegs waren, schöpfte niemand Verdacht, ganz im Gegenteil! Die Zuschauer am Straßenrand jubelten: „Schaut mal, die Skelett-Kostümgruppe! Wahnsinn, wie echt die Knochen aussehen! Und guckt mal, die haben sogar lebensechte Knochen-Vögel als Deko am Lenker!“ Dass die beiden Schorlibris die Rute mit dem Lock-Dubbe im Schnabel hielten, wurde als genialer Spezialeffekt angesehen.
Das Rennen eskaliert
Als eine Gruppe ehrgeiziger Rennradler in engen Neon-Trikots die Skallz schnitt und ihnen abwertend zurief: „Macht Platz mit euren Rostlauben!“, packte Toddy der Ehrgeiz. „Knocki, Flexi, Bonny, Skally, Mortie! Drääden in die Pedale! Denne zeige mä', was e Pälzer Iwwersetzung iss! Unn Bloodie, du baschd uff, dass uns kääner verlore geht!“ Die Schorlibris schwirrten tiefer, das Dubbeglas tanzte wild vor den Nasenhöhlen. Die Skallz strampelten im absoluten Geschwindigkeitsrausch. Mit achtzig Sachen jagten die beiden Tandems an den Carbon-Rennradlern vorbei. Die kriegten den Mund nicht mehr zu, als die quietschenden „Santa-Fee-Express-Star-Dust-Mobile“ sie mit einem Affenzahn bergauf überholten.
Das Skally-Malheur im Fahrtwind
Der Sieg war zum Greifen nah. Die Ziellinie war fast zu sehen. Doch die Skallz hatten die Physik unterschätzt. Der enorme Fahrtwind rüttelte an den Knochen – und Skally, der ganz hinten auf Tandem 1 saß, hatte der Windlast irgendwann nichts mehr entgegenzusetzen. Seine provisorischen Kniebänder aus alten Weinruten rissen.
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Kilometer 12: Skallys linker Fuß verabschiedete sich und hüpfte wie ein Flummi in die Zuschauermenge. „Hoppla“, klapperte Skally, trat aber mit dem Stumpf tapfer weiter.
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Kilometer 14: Der Fahrtwind erfasste seinen linken Arm. Wusch – die Elle segelte davon und landete zielsicher auf dem Helm eines Renn-Radlers.
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Der Totalschaden: Bei der finalen Abfahrt brach Skallys Wirbelsäule komplett durch. Seine Knochen verteilten sich wie eine Ladung Mikadostäbe über die gesamte Straße. Sein Schädel kullerte hilflos über den Asphalt und rief kläglich: „Leit's! Isch glaab, isch honn misch ääwe e bissje verlor!“
Freundschaft vor Ruhm
Toddy sah im Rückspiegel das Desaster. Der Siegerpokal und das Gratis-Fass Riesling waren nur noch 100 Meter entfernt und die Profis holten auf! Ein letzter Sprint, und die Skallz hätten gewonnen! Doch ein Pfälzer Skelett lässt keinen Kumpel einfach so im Graben liegen.
„Vollbremsung!“, brüllte Mortie, der das Unglück ebenfalls wahrgenommen hatte. Reifen quietschten, Funken stoben, die Tandems wendeten mit einem ohrenbetäubenden Knirschen und Kreischen mitten auf der Strecke. Schreiend wichen die Renn-Radler aus, als ihnen das Skelett-Team als Geisterfahrer entgegenjagte.
Das Rennen war gelaufen, aber die Rettungsaktion lief auf Hochtouren: Flexi faltete sich zusammen und kroch ins Unterholz, um Skallys Rippen aufzusammeln. Knocki schimpfte ununterbrochen, während er Skallys Beckenknochen aus einer Hecke zog und selber fast darin hängen geblieben wäre. Die beiden Schorlibris schnappten sich Skallys Zehenknochen im Sturzflug aus der Luft, bevor ein anderer Radler darüber rollen konnte.
Das Beinahe-Desaster (Was wäre wenn...?)
Die Zuschauer applaudierten frenetisch. Sie dachten, das gehöre zur Show! Ein Moderator brüllte ins Mikro: „Was für eine Performance! Die Skelett-Truppe bricht den sicheren Sieg ab, um eine Slapstick-Nummer hinzulegen! Bombastisch! Grandios!“
Mortie wischte sich den imaginären Schweiß von der Stirn. Er flüsterte zu Bloodie: „Här, Marie, stell dir mol vor, mir wär'n durschs Ziel g'fahre unn hädden dänn Poggaal entgäägegenumme. Donn hätt uns de Boijemäschder die Händ g'schidd'lt unn geridd'lt... und gemerkt, dass do iwwerhaupt kää Flääsch dro iss! Die hädd'n vielleischt ... kää Ohnung, die Feierwehr odder die Bundeswehr gerufe, odder so, unn aus wär's mit unsrer gemiedlische Ewischkäät!“
Bloodie lachte ihr dunkels, weiches Skelett-Lachen: „Joh, Mortie, unn beim Dopingtest hätten die sich gonz schää gewunnert, warum in demm Pipibecher pletzlisch 100 % roiner Spätburgunder drin iss - hähähä!“
Mit einem vollgepackten Rucksack voller Skally-Knochen und dem unersetzlichen Skally-Schädel unter Bonnys Arm, traten die Skallz gemütlich den Rückweg an. Sie hatten zwar kein Rennen gewonnen und auch kein Weinfaß, aber dafür das wertvollste Gut bewahrt: Den absoluten Zusammenhalt unter Freunden.
